Ein grünes Rechenzentrum


Es klingt nach einem umweltfreundlichen, zukunftsweisenden Pionierprojekt. Doch bei genauerem Hinsehen trifft das Gegenteil zu.

„Das würde das erste grüne Rechenzentrum in Deutschland und damit auch richtungsweisend für die Region.“

Jürgen Lindhorst, Infoveranstaltung 23. Juni 2022, Hohenwutzen

Lindhorst meint mit „grün“ offenbar, dass die Stromversorgung regenerativ und der Betrieb somit CO-neutral ist. Es gibt jedoch schon zahlreiche deutsche Rechenzentren, die mit grünem Strom betrieben werden.1 Einige von ihnen sind nicht nur CO-neutral, sondern CO-negativ, d.h. sie sorgen dafür, dass zumindest im laufenden Betrieb zusätzlich CO gebunden bzw. CO₂-Ausstoß an anderer Stelle vermieden wird 2, um nicht nur im Betrieb, sondern auch in der Gesamtbilanz den CO₂-Ausstoß zu reduzieren. Denn die Herstellung (und Entsorgung) eines Rechenzentrums samt Inventar verursacht 20 – 30% der gesamten CO₂-Emissionen.3 Von den weiteren Umweltbelastungen durch Ressourcenabbau, Produktion und Transport mal ganz abgesehen. Somit hat das, was Lindhorst „grün“ nennt, mit Nachhaltigkeit wenig zu tun; es bedeutet lediglich: es könnte alles noch schlimmer sein.

Es wäre also nicht das erste grüne Rechenzentrum Deutschlands. Aber es wäre das erste Rechenzentrum Deutschlands, für dessen Bau und Stromversorgung 250 Hektar Wald vernichtet wurden.

Zu bedenken ist auch, dass durch die Rodung des Waldes zwei Kohlenstoff-Speicher wegfallen: die Bäume und der Waldboden. Im Waldboden ist sogar deutlich mehr Kohlenstoff gespeichert als in den Bäumen.4 Insbesondere aus Sandböden wie unter dem Hohensaatener Wald wird dieser Kohlenstoff nach der Rodung in Form von CO₂ weitgehend wieder freigesetzt. Die Paletten, zu denen der Wald laut Lindhorst u.a. verarbeitet wird, haben eine durchschnittliche Lebensdauer von 8 – 10 Jahren und werden dann verbrannt. Das nicht zu verarbeitende Restholz landet in Lindhorst’s Heizkraftwerk Ludwigsfelde.

Die Solaranlage und das Rechenzentrum würden also erstmal mit einem dicken Plus an CO-Emissionen starten. Nachhaltigkeit sieht anders aus…


1 z.B. von diesen Betreibern: Ionos, Avalon, Space Net, Manitu, Pfalzkom, Green IT, BioHost, HostStar, Greensta, VegaSystems, Strato, Raidboxes, Windcloud

2 z.B. durch die Kombination von grünem Strom mit Abwärmenutzung oder mit Zahlungen an Kompensationsprojekte

3 „The life cycle assessment of a UK data centre“, Whitehead et al. 2015

4 https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2021/PD21_40_p002.html


Faktencheck zur Infoveranstaltung der Lindhorst-Gruppe am 23. Juni ’22 in Hohenwutzen

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