Was bedeutet Versiegelung? Welche möglichen Vorteile hat das Zusammenspiel von natürlicher Begrünung und der vorherigen Bebauung? Hier wird erklärt, warum wir diese Aussage, hier könne kein nachhaltiger Wald wachsen, für unhaltbar betrachten.

„30% der Flächen im heutigen Zustand sind versiegelt.“

Jürgen Lindhorst, Infoveranstaltung der Lindhorstgruppe am 23. Juni, Hohenwutzen

Im MOZ-Interview vom 21. Juni sprach Lindhorst sogar von „30–40%, also rund 150 Hektar der Fläche“ und „Dort kann kein nachhaltiger Wald wachsen.“

Auf den Webseiten des Umweltbundesamts kann man nachlesen, was unter Bodenversiegelung verstanden wird:
„Bodenversiegelung bedeutet, dass der Boden luft- und wasserdicht abgedeckt wird, wodurch Regenwasser nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen versickern kann.“
Was sind die Folgen von Versiegelung: Das Risiko von Überschwemmungen steigt und: „Auch das Kleinklima wird negativ beeinflusst: Versiegelte Böden können kein Wasser verdunsten, weshalb sie im Sommer nicht zur Kühlung der Luft beitragen. Hinzu kommt, dass sie als Standort für Pflanzen ungeeignet sind. Diese fallen somit als Wasserverdunster und als Schattenspender aus. Vor allem wird die natürliche Bodenfruchtbarkeit durch eine Versiegelung der Böden massiv beeinträchtigt: Wenn der Boden dauerhaft von Luft und Wasser abgeschlossen ist, geht die Bodenfauna zugrunde.“

Unter Versiegelung versteht man also selbstverständlich nicht solche Flächen, die sich die Natur längst zurückgeholt hat und auf der sich mittlerweile Wald breit gemacht hat. Überwucherte Betonbrocken im Boden tragen an diesem Ort sogar zu einem feuchteren Kleinklima bei, da der Wald geologisch auf einer riesigen Sanddüne steht, d.h. dieser Boden kann Wasser eigentlich nicht gut halten. Dazu kommt dass die Region außergewöhnlich trocken ist. Aber gerade in diesem Wald finden sich auch bei sommerlicher Dürre immer noch jede Menge erstaunlich feuchter Gebiete. Die Flächen, die man tatsächlich immer noch als versiegelt bezeichnen kann, hat ein Förster vor rund 20 Jahren auf 17 Hektar beziffert. Also unter 3%.
Und das sieht man!

Selbst auf der Forstkarte, die zu diesem Gebiet auf der Lindhorst-eigenen Webseite zu finden ist, steht, dass zum Stichtag 1.1.2021 der Forsteinrichtung nur 34ha Nichtholzboden sind. Eine Forsteinrichtung oder die Forstbetriebsfläche FBFl wird unterteilt in den Wald und alle sämtlichen dazugehörigen Flächen, also auch Wege, Schneisen oder Freiflächen im Wald. Unterschieden wird dabei in „Holzbodenfläche“ (der eigentliche Wald) und Nichtholzbodenfläche (kein Wald). Nur 5% der Gesamtffläche sind also demnach kein Wald im forstlichen Sinne. Es ist uns wirklich schleierhaft, woraus sich die 30% versiegelte Fläche ergibt.

Ausschnitt aus der Forstbetriebskarte 01.01.2021 (https://grüne-energie-in-hohensaaten.de/forstbetriebskarte-des-sperrgebiets-hohensaaten/)

Faktencheck zur Infoveranstaltung der Lindhorst-Gruppe am 23. Juni ’22 in Hohenwutzen